“Wer kann, der soll sich engagieren”

Anne-Kathrin Anzius macht es vor/ Stiftung Kindergarten

Nein, so wirklich gerne sieht sie es nicht, dass ihre gute Tat an die große Glocke gehangen wird. Die Bescheidenheit von Anne-Kathrin Anzius ist genauso erfrischend wie ihr Motto: “Wer kann, der soll sich engagieren”. Und sie tut es eben.

Sie hat gemeinsam mit der Gemeinde Wutha-Farnroda eine Stiftung gegründet, deren Ziel es ist, einen neuen Kindergarten auf dem Grundstück des ehemaligen Gesindehauses des Farnrodaer Schlossgeländes zu bauen. Der Grundstein ist gelegt.

Enge Verbundenheit zu ihrer Heimat und den Menschen am Fuße des Hörselberges und natürlich eine eigene Familiengeschichte sind die Gründe von Anne-Kathrin Anzius für diesen Plan. Ihre späteren Schweigereltern kauften das einstige Rittergut in Farnroda. Es avancierte zum größten landwirtschaftlichen Betrieb des Ortes.

Und Sohn Bertold, der Ehemann von Anne-Kathrin Anzius, versuchte auch nach dem Krieg weiter das Anwesen zu retten. “Onkel Bertold” wurde er von den Kindern des Kindergartens Farnroda gerufen, versorgte den Kindergarten in den Jahren des Hungers mit Milch, Obst, Gemüse und vielem mehr.

Doch natürlich hatte auch Bertold Anzius mit dem Regime zu kämpfen, das Gut wurde volkseigen und obwohl er “viel seiner Kraft und Gesundheit” (Anne-Kathrin Anzius) gab, musste er erkennen, dass es aussichtlos war. In Zeiten der LPG war der Zerfall schon spürbar, nach dem auch die LPG weg war, kümmerte sich keiner mehr darum. “Das hat richtig weh getan zu sehen, wie das Gut zerfällt”.

Seit 1969 wohnt das Ehepaar Anzius im Schwarzwald, aber der Kontakt in die Region am Hörselberg ist nie angerissen. “Dort bin ich daheim und hier bin ich zu Hause”, versucht die 70jährige, deren Mann viel zu früh schon im Alter von 53 Jahren starb, zu erklären, dass sie zweimal Heimat ihr eigen nennen kann.

Angesichts dieser ihrer Geschichte war ihr schnell klar, dass sie etwas für die Kinder in Farnroda tun wollte. Und auch das war nicht einfach: Ihre Hoffnung, wenigstens das Gesindehaus retten und sanieren zu können, trog. Es bleib nur der Abriss. Nun aber entsteht an dessen Stelle der neue Kindergarten. Anne-Kathrin Anzius: “Es sollte etwas Bleibendes werden, auch in Erinnerung an meinem Mann”.